Erlöser-Jewfimi-Kloster
Im nördlichen Teil von Susdal, auf dem Steilufer der Kamenka, ist das 1352 gegründete Männerkloster, das Erlöser-Jewfimi-Kloster, gelegen. Hinter seiner hohen Einfriedung mit zwölf Türmen befinden sich die Erlöser-Verklärungs-Kathedrale (1594) mit ihren außerordentlich gut erhaltenen Fresken (1689), Arbeiten der namhaften Meister Guri Nikitin und Sila Sawin, und der Glockenturm mit drei Bogenöffnungen (16.- 17. Jh.), die Maria- Verkündigungs-Torkirche (16.-17. Jh.), das Haus des Archimandriten - des Klostervorstehers - mit der Maria-Entschlafens-Zeltdachkirche (1525), die Nikolaus-Kirche mit dem Hospitaltrakt (1669) und schließlich der lange zweistöckige Gebäudekorpus mit den Klosterzellen (17. Jh., 19. Jh.). Alle Gebäude sind restauriert und den Museumsausstellungen zur Verfügung gestellt worden.
In den fünf Sälen des Archimandritenhauses ist die große Ausstellung »Bücherschätze aus sechs Jahrhunderten« (15.-20. Jh.) eingerichtet. Hier kann man den »Apostol« von 1564 (die Apostelgeschichte und die Apostelbriefe) sehen, den der Buchdrucker Iwan Fjodorow in Moskau herausgegeben hat und der der russischen Buchdruckerei den Anfang legte. Zu den Exponaten gehören auch die slawische »Grammatik« (1648), das beste Lehrbuch der russischen Sprache bis Mitte des 18. Jahrhunderts von Meleti Smotrizki und die erste illustrierte russische Fibel (1694), die Karion Istomin zusammengestellt und die Leonti Bunin mit Gravuren ausgeschmückt hat. Eine einmalige Sehenswürdigkeit der Ausstellung ist das handgeschriebene Evangelian (17. Jh.) mit prächtigem Silberbeschlag, das größte Buch Russlands. Den Beschlag des Evangeliars hat Afanassi Truchmenski, ein Meister der Moskauer Rüstkammer, angefertigt. Im Hospitaltrakt ist die Ausstellung »Goldene Schatzkammer« eingerichtet, die mehr als 500 Werke der dekorativen Kunst des 13. bis 20. Jahrhunderts umfasst. Hierzu gehören bewundernswerte Erzeugnisse der altrussischen Juweliere, kostbare Stickereien und Treibziseliertes Silbergerät. Die Ausstellungsstücke geben eine gute Vorstellung von den wichtigsten Meilensteinen in der Geschichte der russischen angewandten Kunst. In den Enfiladen des Klosterzellenkorpus ist das Museum für Laienkunst der Völker der Russischen Föderation eröffnet worden. Die hier gesammelten schönen Stickereien, die feinen Spitzen, das lustige Spielzeug, kleine handgefertigte Erzeugnisse aus Birkenrinde und Glas sind nicht nur phantasievoll ausgeführt, sondern zeugen auch von hoher professioneller Meisterschaft.
Auf dem Glockenturm sind alle Glocken zusammengetragen worden, und mehrere Male am Tage hat der Besucher die Möglichkeit, ihr bezauberndes Glockengeläut zu hören. Nahe der Ostwand der klösterlichen Hauptkirche liegt das Grab des Fürsten Dmitri Posharski, des Nationalhelden im Freiheitskampf des russischen Volkes gegen die polnischen Intervention Anfang des 17. Jahrhunderts.
Die Geschichte des Klosters hat auch ihre düsteren Seiten. Es wurde als Gefängnis für religiöse und politische Freidenker genutzt und bestand von 1764 bis Anfang des
20. Jahrhunderts. 1829 befand sich unter den Eingekerkerten der Dekabrist Fjodor Petrowitsch Schachowskoi, der aus der sibirischen Verbannung hierher überführt worden und in Susdal infolge eines Hungerstreiks gestorben war.
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