Segeln vor Kaliningrad
Segler haben es vor der Kaliningrader Küste nicht leicht. Der 90 Seemeilen lange Abschnitt der Küste von Kaliningrad zwischen der polnischen Halbinsel Hel und dem litauischen Klaipeda ist russisches Hoheitsgebiet – mit allen bürokratischen Hindernissen, die es mit dem Durchfahren, Anlegen oder gar Landen geben kann. Das größte Hindernis für Segler, den wunderschönen Ostseeküstenabschnitt derzeit zu besuchen ist ein riesiger Mangel an Anlege- und Liegeplätzen.
Für das gesamte Gebiet von Kaliningrad stehen derzeit nur acht Gastliegeplätze der Extel-Marina in einer Ecke des Hochseefischerhafens Pionerski zur Verfügung. Pionerski ist der nunmehr einzigen Einklarierungshafen für ausländische Segel-Yachten an der Küste des Kaliningrader Gebietes. Obwohl in einigen Seekarten noch anders ausgezeichnet, ist die russische Marinebasis Baltijsk inzwischen für ausländische Sportboote wieder geschlossen. Wenn man einmal unterwegs ist kommt man schon nicht mehr an die Informationen, ob sich gerade wieder etwas geändert hat – es sei denn man spricht Russisch. Die russische Küstenwach spricht russisch – aber leider keine anderen Sprachen.
Neben fehlenden Gastliegeplätzen gibt es noch viele weitere Probleme für den Segler oder Yachtbesitzer: Fehlende Grenzvereinbarungen zum Beispiel. Auf dem Kurischen Haff schottet der fehlende Grenzvertrag mit Litauen den russischen Teil der Lagune völlig ab. Selbst wenn man die Haff-Häfen in Rybachi und Selenogradsk ausbaute – kein ausländisches Boot oder Ausflugsschiff käme derzeit dorthin. Auf dem militärisch sensiblen Frischen Haff gelten immer noch die restriktiven Regelungen aus dem Jahre 1961.
Dabei hat die Region es durchaus verdient, besegelt zu werden. Das mit den Ostsee-Seglern auch Geld verdient werden kann, will der Kaliningrader Gouverneur Georgi Boos erreichen. Allerdings braucht es für Grenzvereinbarungen nicht nur die Russische Exklave Kaliningrad: Hier muss der Kreml Mitziehen. Tourismus spielt eine große Rolle im Modernisierungskonzept für Kaliningrad. Unter dem Motto „Kaliningrad öffnet sich“ soll laut Willen vom Kaliningrader Gouverneur auch für die boomende und lukrative Segel-Branche verstanden werden. Die dafür geeignete Infrastruktur gibt es bereits - allerdings nur auf dem Papier: Mit teuren Projekten für den Bau moderner Yachthäfen – unter anderem in Selenogradsk (Cranz) und in Rybatschi (Rossitten) auf der Kurischen Nehrung – soll angefangen werden, sobald die notwendigen internationalen Vereinbarungen von Moskau ausgehandelt sind.
Bis dahin allerdings heißt es für den Ostsee-Segler: Vor Fahrtantritt nachfragen, welcher Hafen den derzeit als Gasthafen zur Verfügung steht.
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