Postkarte: Treidler mit Pferden
Postkarte: Treidler mit Pferden

Treidler und Schlepper

Von alters her versuchten die Menschen das Land über die Flüsse zu erkunden und von einem Fluss zu anderen zu gelangen. Die Geschichte der Schifffahrt in Russland in insbesondere der Wolga ist eng mit dem Treideln verbunden, zumal die Wassertiefe der Flüsse allgemein gering ist. Schon die Waräger zogen die Schiffe über die Untiefen. Heutzutage erleichtern Schleusen und Kanäle die Schiffsfahrt. Im Laufe der Zeit entwickelte man verschiedene Methoden. Zunächst wurden die Schiffe ans Ufer gezogen und dort auf Rollen, auf Schienen oder auf Balken mit Menschenkraft fortbewegt. Später setzte man auch Pferde ein. Doch die gängigste Methode, die natürlichen Hindernisse im Fluss zu überwinden, war das Schleppen oder Treideln.


Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auf der Wolga die Segelschiffe von Treidlern gezogen. Die Treidler kamen aus verschiedenen russischen Gebieten: oft waren es Bauern, die vor Verfolgung geflüchtet waren. Ihre Arbeit war außergewöhnlich schwer. Sie arbeiteten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und legten dabei eine Strecke von 10-15 km zurück. Seile um den Oberkörper bis zum Hals geschlungen, versuchten sie im Takt das Boot über die Untiefen zu ziehen. Doch oftmals brachten starke Strömungen das Schiff zum Kentern.


Unter Zar Peter I wurde mit der Planung begonnen, anstelle der Schleppstellen Kanäle zu bauen. Zum einen sollten die neu gewonnenen Gebiete an der unteren Wolga besser gesichert. Zum anderen musste die neue Hauptstadt, die am Rande des Reiches lag, besser an die Gebiete im Süden angeschlossen werden. Gleichzeitig sicherte man die Versorgung der Stadt mit Produkten von der Wolga. An mehreren Stellen wurde mit dem Bau von Kanälen begonnen.


Bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts war die Verbindung vom Kaspischen Meer zur Ostsee hergestellt. Doch was unter Peter dem Grossen angefangen und unter den nachfolgenden Zaren teilweise fortgesetzt wurde, konnte in der Sowjetzeit endgültig realisiert werden. Die Wolga selbst wurde durch große Staudämme und eine Anzahl von Schleusen in eine Kette von Staumeeren und somit in eine Großschifffahrtsstrasse verwandelt. Der Kujbyschewer Stausee galt damals als der größte künstliche See der Welt. Das Wasserniveau der Wolga wurde um über 3 Meter angehoben, was eine Reihe von Zuflüssen zusätzlich schiffbar machte.

Sasskia

@ 01.06.2010

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